Predigt – Quasimodogeniti 2026

Jes 40, 26–31

26 Hebt eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat all dies geschaffen? Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen; seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.

27 Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: »Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht an meinem Gott vorüber«?

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. 30 Jünglinge werden müde und matt, und Männer straucheln und fallen; 31 aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

1. Petr 1, 3–9

3 Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, 4 zu einem unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichen Erbe, das aufbewahrt wird im Himmel für euch, 5 die ihr aus Gottes Macht durch den Glauben bewahrt werdet zur Seligkeit, die bereitet ist, dass sie offenbar werde zu der letzten Zeit.

6 Dann werdet ihr euch freuen, die ihr jetzt eine kleine Zeit, wenn es sein soll, traurig seid in mancherlei Anfechtungen, 7 auf dass euer Glaube bewährt und viel kostbarer befunden werde als vergängliches Gold, das durchs Feuer geläutert wird, zu Lob, Preis und Ehre, wenn offenbart wird Jesus Christus. 8 Ihn habt ihr nicht gesehen und habt ihn doch lieb; und nun glaubt ihr an ihn, obwohl ihr ihn nicht seht; ihr werdet euch aber freuen mit unaussprechlicher und herrlicher Freude, 9 wenn ihr das Ziel eures Glaubens erlangt, nämlich der Seelen Seligkeit.

Joh 20, 19–20+24–29

19 Am Abend aber dieses ersten Tages der Woche, da die Jünger versammelt und die Türen verschlossen waren aus Furcht vor den Juden, kam Jesus und trat mitten unter sie und spricht zu ihnen: Friede sei mit euch! 20 Und als er das gesagt hatte, zeigte er ihnen die Hände und seine Seite. Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.

24 Thomas aber, einer der Zwölf, der Zwilling genannt wird, war nicht bei ihnen, als Jesus kam. 25 Da sagten die andern Jünger zu ihm: Wir haben den Herrn gesehen. Er aber sprach zu ihnen: Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmale sehe und lege meinen Finger in die Nägelmale und lege meine Hand in seine Seite, kann ich’s nicht glauben.

26 Und nach acht Tagen waren seine Jünger abermals drinnen, und Thomas war bei ihnen. Kommt Jesus, als die Türen verschlossen waren, und tritt mitten unter sie und spricht: Friede sei mit euch! 27 Danach spricht er zu Thomas: Reiche deinen Finger her und sieh meine Hände, und reiche deine Hand her und lege sie in meine Seite, und sei nicht ungläubig, sondern gläubig! 28 Thomas antwortete und sprach zu ihm: Mein Herr und mein Gott! 29 Spricht Jesus zu ihm: Weil du mich gesehen hast, darum glaubst du? Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!

Predigt: Jes 40, 26–31

Wenn du dich abends zum Beten hinlegst, worauf hoffst du dann? Sei ehrlich. Du hoffst auf mehr Regen. Du hoffst auf günstigere Preise im Supermarkt oder an der Tankstelle. Du hoffst auf Heilung von den Schmerzen oder der Krankheit, die einfach nicht weggehen wollen. Du hoffst auf Stabilität für deine Familie. Du hoffst, dass aus deinen Kindern etwas Gutes wird. Du hoffst auf inneren Frieden.

Das sind keine schlechten Dinge. Es sind gute Gaben von Gott. Und als Christen tun wir das Logische: Wir beten für diese Hoffnungen. Wir bitten Gott um Heilung, um Versorgung, um Sicherheit.

Aber dann kommt die Enttäuschung. Du betest, und die Heilung bleibt aus. Du betest, und die Preise steigen weiter. Du betest, und dein Kind wendet sich vom Glauben ab. Plötzlich fühlen sich deine Gebete sinnlos an. Du beginnst zu denken, dass Gott nicht geantwortet hat. Und als gute, fromme Christen sagen wir: „Nun, Gott hat es nicht so gewollt.“ Das ist wahr. Aber es nimmt dir den Schmerz nicht. Es nimmt dir nicht das Gefühl der Enttäuschung, dass deine Hoffnung zerschlagen wurde.

Vielleicht erwischst du dich sogar dabei, dass du das sagst, was das Volk Israel sagte: „Mein Weg ist vor dem Herrn verborgen, und mein Recht wird von meinem Gott missachtet.“ Mit anderen Worten: Gott sieht mich nicht. Mein Problem ist ihm egal. Warum macht er es nicht besser? Wir wissen, dass er es kann. Er ist allmächtig. Warum tut er es dann nicht?

Das ist die Frage, die heute Morgen in der Luft liegt. Und Gott beantwortet sie. Durch den Propheten Jesaja spricht Gott direkt auf diese Klage ein. Er sagt: „Hast du es nicht gewusst? Hast du es nicht gehört? Ist es dir nicht von Anfang an gesagt worden?“

Gott ruft dich zurück. Er zieht dich in deine Vergangenheit. Er sagt: Erinnere dich.

Erinnere dich an das, was du gelernt hast. Erinnere dich an deinen Katechismus. Erinnere dich an deine Bibelstunden. Erinnere dich an die Geschichten, die deine Mutter dir erzählt hat. Denn in diesen Geschichten lernst du ja gerade, was für einen Gott du eigentlich hast.

Wer hat die Himmel geschaffen und die Sterne ausgespannt? Wer nennt jeden Stern beim Namen? Keiner von ihnen fehlt. Das ist dein Gott. Wer hat die Sintflut über die Gottlosen gebracht, aber Noah gerettet? Das ist dein Gott. Wer hat Ägypten mit zehn Plagen geschlagen und sein Volk auf trockenem Boden durch das Rote Meer geführt? Das ist dein Gott. Wer hat sein Volk mit Manna ernährt und ihnen Wasser aus dem Felsen gegeben? Das ist dein Gott. Wer wurde dann, als die Zeit erfüllt war, Mensch, wurde für deine Sünden gekreuzigt und stand von den Toten auf, um Sünde, Tod und den Teufel zu besiegen? Das ist dein Gott.

Dieser Gott steht jetzt vor dir und sagt: „Ich bin hier. Ich bin allmächtig. Ich werde nicht müde und ermüde nicht. Mein Verstand ist unergründlich. Ich gebe den Schwachen Kraft, und dem, der keine Kraft hat, vermehre ich Stärke.“

Also hör auf zu sagen: „Gott sieht meine Not nicht.“ Er sieht sie. Er sieht, dass du versuchst, deine Hoffnungen auf deinen eigenen Schultern zu tragen. Du versuchst, deine eigene Heilung zu erreichen. Du versuchst, deine eigene Zukunft zu sichern. Du versuchst, deine eigene Familie in Ordnung zu bringen. Du sagst: „Ich werde tun, was in meiner Macht steht, und vielleicht vertraue ich nebenbei auf Gott, dass er mir hilft, das zu bekommen, was ich will.“

Aber Gott sagt: Dieser Weg führt nur zur Erschöpfung. Selbst junge Männer werden ermüden und matt werden. Selbst der energie- und leistungsstärkste, der entschlossenste Mensch wird irgendwann zusammenbrechen. Warum? Weil er versucht, sein eigener Gott zu sein. Er versucht, seine eigenen Hoffnungen aus eigener Kraft zu verwirklichen. Und das ist eine Last, die er niemals tragen sollte.

Also kehrt Gott das Ganze um. Er gibt dir nicht einfach bessere Ergebnisse. Er verändert das, worauf du hoffst.

Setze deine Hoffnung nicht auf eine gute Wirtschaftslage. Setze deine Hoffnung nicht auf perfekte Gesundheit. Setze deine Hoffnung nicht auf ein stabiles Land oder eine friedliche Familie. Diese Dinge sind Geschenke, aber sie sind nicht deine Hoffnung. Sie werden dich im Stich lassen. Jedes einzelne davon wird dich irgendwann im Stich lassen.

Stattdessen sagt Gott: Setze deine Hoffnung auf mich. Setze deine Hoffnung auf den, der Sünde, Tod und den Teufel besiegt hat. Setze deine Hoffnung auf den, der von den Toten auferstanden ist. Setze deine Hoffnung auf die Person Jesu Christi selbst, nicht auf ein bestimmtes Ergebnis, das du für das Beste hältst.

Das verändert alles daran, wie du betest. Beten bedeutet nicht, dass du versuchst, Gott davon zu überzeugen, dir das gewünschte Ergebnis zu geben. Beten bedeutet zwar, dass du um ein Ergebnis bittest, aber dann setzt du deine Hoffnung nicht auf dieses Ergebnis, sondern auf den, zu dem du betest. Deine Hoffnung ist nicht das, worum du betest. Deine Hoffnung ist der, zu dem du betest.

Und wenn du das tust, geschieht etwas Erstaunliches. Gott gibt dir Kraft. Er lässt dich mit Flügeln wie Adler emporsteigen. Das bedeutet, er gibt dir Perspektive. Du siehst das große Ganze. Selbst wenn du nicht so geheilt wirst, wie du es dir gewünscht hast, siehst du, dass er immer noch die Kontrolle hat. Selbst wenn deine Finanzen ein Chaos sind, siehst du, dass Christus immer noch auferstanden ist.

Er gibt dir die Ausdauer, ohne Müde zu werden zu laufen. Das ist der lange Lauf, die anhaltende Anstrengung eines ganzen Lebens im Glauben. Und er gibt dir die Fähigkeit, ohne zu ermüden zu gehen. Das ist der mühsame Alltag. Der gewöhnliche Dienstag. Der mühsame, langweilige, schmerzhafte Alltag. Auch dafür gibt er dir Kraft.

Aber diese Hoffnung ist nicht passiv. Sie bedeutet nicht, dass du auf deiner Couch sitzt und darauf wartest, dass Gott alles erledigt. Aber auch nicht, dass du sagst, ich muss erst meinen Teil tun. Nein. Diese Hoffnung bedeutet, dass du, wenn es schlecht läuft, wenn du unter der Last deines Kreuzes stöhnst, zu dem gehst, der sein Kreuz für dich bis nach Golgatha getragen hat. Du gehst zu seinem Wort. Du gehst zu seinem Heiligen Abendmahlstisch. Du kehrst zu deiner Taufe zurück, lässt den alten Adam wieder ertrinken und empfängst Vergebung. Wenn du müde wirst dann kehrst du ja gerade zu deiner Hoffnung zurück.

Das bedeutet es, auf Gott zu hoffen. Nicht dein Kreuz wegzuwerfen, sondern es mit dem zu tragen, der bereits das ultimative Kreuz getragen hat.

Also lass es mich ganz klar sagen. Deine Hoffnung ist nicht Gesundheit. Deine Hoffnung ist nicht Reichtum. Deine Hoffnung ist nicht Stabilität. Deine Hoffnung ist der Auferstandene. Christus selbst. Gott, der Sieger. Und weil er lebt, wirst du nicht zuschanden werden. Amen.