Seid nüchtern und wacht

Liebe Gemeinde,
der christliche englische Autor C.S. Lewis, hat vor langer Zeit ein Buch geschrieben, das heißt: „Dienstanweisungen an einen Unterteufel“. Darin erklärt der Oberteufel Screwtape in einem Briefwechsel seinem Neffen, dem Unterteufel Wormwood, wie man am besten Menschen verführt. Die Idee des Buches ist, dem Teufel besser auf die Schliche zu kommen. Zu erkennen, wie listig er vorgeht.

An diesem Konzept anknüpfend, möchte ich auf die Sache betreffs der Kunstausstellung bei der Grantleigh Curro School eingehen.


Also:
13. März 2019

Mein lieber Wormwood,
Du berichtest, dass du mit großem Bedauern festgestellt hast, dass die Künstler dieser Schule eine Kunstausstellung planen, wo Betrachter angeregt werden sollen, über ihr Denken und Handeln in ihrer Religion nachzudenken und dass, vor allem Christen bei diesen Kunstwerken angesprochen werden sollen. Unser gelungenes Projekt, wo wir bereits über viele Jahre Christen immer mehr verfangen haben in einer guten Harmonie mit der Welt zu leben und nichts zu hinterfragen und ganz mit dem Zeitgeist zu schwimmen, wird dadurch scharf angegriffen. Du befürchtest zurecht, zumindest für diese Schulgemeinschaft, dass dadurch unser Projekt bei ihnen auf dünnes Eis gerät.

Die Sucht nach Geld, Reichtum und Macht, die Ignoranz der Armen und Schwachen, das Auswählen und Weglassen von Bibelstellen, je nach eigener Beliebigkeit, das soll alles durch diese Kunst aufgedeckt werden. Ich teile deine Befürchtung, die Christen, die zu diesem Werk Zugang haben werden, werden zum Nachdenken angeregt werden und vielleicht auch erkennen, wie willkürlich und selbstsüchtig sie vielfach handeln, wie sehr sie gefangen sind in einer Welt des „instand-gratification“ und der Suche nach irdisch, zeitlichem Glück.

Du berichtest, dass der Eifer dieser Schüler, verbunden mit der Geschicktheit und dem Ehrgeiz der Lehrerin, leider für uns nichts Gutes verspricht und dass du so schnell wie möglich Hilfe brauchst.

Also! Du bist vor Sorgen ganz blind geworden. Nur weil diese solch eine Botschaft in diese Schulgemeinschaft bringen wollen, heißt noch nicht, dass ihnen das gelingen wird. Kunst liegt bekanntlich im Auge des Betrachters. Worte hingegen vermitteln Inhalt. Kunst spricht die Gefühle und Emotionen an. Das kannst du in diesem Fall sehr gut ausnutzen! Mache Gebrauch von dem Eifer, der Geschicktheit und dem Ehrgeiz dieser Gruppe. Krasse Skulpturen und vulgäre Bilder, das erschrickt und verbreitet Angst. Und so sehr es gilt, dass die Bischöfe und Pastoren an unseres Feindes statt handeln, wenn sie seine Worte treu bleiben und verkündigen, so leicht kann durch Kunst eine unklare Botschaft vermittelt werden, das kann dann ein Durcheinander bringen und bald werden nicht die Pastoren oder Leiter christlicher Gemeinden sich angesprochen fühlen, sondern sie werden nur unseren Feind in diesen Kunstwerken entdecken und sich aufregen, wie er verspottet wird, wie er lächerlich gemacht wird. Bringe diese Gruppe dahin, dass bekannte Kunstwerke der Vergangenheit benutz werden und dadurch nicht die Christenheit zum Denken gebracht wird, wie sie selbst unseren Feind und sein Wort und Sakrament verachten und verleugnen, sondern wie unser Feind hier direkt angegriffen wird. Bring sie auf die Idee, Bibelseiten zu zerreißen und in ihren Werken einzusetzen. Damit wirst du ernste Christen zur Wut bringen und sie werden nicht einmal daran denken, wie sie selbst mit ihrem Denken, Reden und Handeln ähnlich mit dem Wort unseres Feindes vielfach umgehen. Wie sie ganz wählerisch sind und aussuchen, was ihnen an das Wort unseres Feindes gefällt und passt, und was nicht. Sie werden in diesem Wut übersehen, dass das Wort unseres Feindes heiligen, nicht ein physisches Buch aufpassen heißt, sondern vielmehr meint, sein Wort gerne hören und lernen und danach handeln.
Zusammengefasst, nutz den Eifer und Ehrgeiz und die Begabung aus, damit sie sich selbst überschätzen und mit ihren groben Werken Angst vor unser Dasein verbreiten.
Es grüßt, dein dich liebender Onkel,
Screwtape
15. Oktober 2019


Mein lieber Wormwood,
Das Foto, das du von der Kunstausstellung mir zugeschickt hast, hat mir große Freude bereitet. Besser konntest du deine Aufgabe nicht durchführen. Sehr gelungen finde ich vor allem, wie Ronald McDonald als Symbol verwendet wurde. Damit werden die Betrachter dann nicht erkennen, wie sie selbst und wie vor allem die Leiter der Kirchen unseres Feindes sich ganz der Welt des Konsums hingegeben haben, wie sie zu einer Kirche geworden sind, die einfach nur fragt, nach dem, was vergnügt, was zeitlich ist und was sofort sättigt. Nein, sie werden darin unseren Feind allein enddecken, der durch solche Illustrationen verspottet wird.

Mit dieser Kunstausstellung werden die Anhänger unseres Feindes sehr beunruhigt sein. Aber sie werden nicht zum Nachdenken bewegt werden, sondern Angst wird sie erfüllen und vielleicht Sorge um ihre Kinder. Sie werden das Böse in den Kunstwerken selbst sehen und in die jungen Künstler. Das Böse wird allein dort gesehen werden, vielleicht werden sie sogar die Schule als dämonisch schimpfen.

Dann berichtest du von einem Altschüler, der ein ernster Christ ist und zutiefst entsetzt ist über diese Sache. Du befürchtest er könnte reagieren und damit würde es aus sein mit dieser Kunstausstellung. Die Möglichkeit andere zu beeinflussen und zur Wut zu bringen, wäre damit hin. Wiederum, mein lieber Wormwood, deine Sorgen machen dich blind. Nutze die Gelegenheit aus! Verstehst du denn nicht? Hier gibt es eine Chance nicht nur in dieser Schulgemeinschaft zu wirken, sondern unter Christen im ganzen Land. Nutze seine Wut aus. Bring ihn auf die Idee, alles zu filmen, damit andere Zugang zu den gelungenen krassen Kunstwerken haben. Lass seine Wut und Enttäuschung ihn bestimmen, sodass er das ausspricht und verbunden mit dem Video Angst verbreitet. Und Wut gegenüber diesen Künstlern. Sodass auch diese dadurch nicht angeregt werden über ihr wählerisches, eigensüchtiges Denken, Reden und Handeln nachzudenken, sondern das Böse und Übel nur da in diesem Saal zu sehen und mit den Leuten, die dies zugelassen haben und die vielleicht hier und da nachlässig waren.

Bleib also unbesorgt!
Es grüßt dein geliebter Onkel,
Screwtape


Liebe Gemeinde,
„Seid nüchtern und wacht; denn euer Widersacher, der Teufel, geht umher wie ein brüllender Löwe und sucht, wen er verschlinge. Dem widersteht, fest im Glauben, und wisst, dass ebendieselben Leiden über eure Brüder in der Welt gehen“ (1. Petr 5,8-9).

Dazu füge ich Worte von einem lutherischen Theologen, Johann Gerhard: „Bedenke, meine Seele, in welch großer Gefahr du steckst, die du täglich vom Teufel angefochten wirst: Dieser Feind ist an Kräften der stärkste, an Künsten der listigste, an Waffen wohl gerüstet, unverdrossen zu streiten, und kann sich in allerlei Gestalt verwandeln. Er reizt selber an zu Sünde und Laster, und wenn er uns zu Fall gebracht, klagt er uns vor Gottes Gerichtsstuhl an. Er beschuldigt Gott bei den Menschen und die Menschen bei Gott und die Menschen untereinander. Er sieht scharf, wohin eines jeden Natur geneigt ist, und so legt er die Stricke seiner Anfechtung. Wen sollte er mit seiner List verschonen, da er doch sogar den Herrn der Herrlichkeit anzugreifen wagte? Welcher Christ sollte von ihm verschont bleiben, der die Apostel Christi begehrte zu sichten wie den Weizen?

Er hat Adam betrogen im Stand der Unschuld, wie sollte er uns nicht betrügen in der verderbten Natur?
In allen Dingen muß man sich vor des Teufels List hüten. Geht’s uns wohl, so bläst er unser Herz auf, daß es stolz wird. Geht’s uns übel, so will er uns zur Verzweiflung bringen. Hat einer einen unerschrockenen Heldenmut, so entzündet er sein Herz mit Zorn. Sieht er einen zur Fröhlichkeit geneigt, so reizt er ihn zur Geilheit und törichten Brunst. Wird er gewahr, daß einer in Glaubenssachen eifrig ist, so versucht er, denselben in einen Aberglauben zu stürzen. Sieht er, daß einer in einem Ehrenamt ist, so zündet er an die Fackel des Ehrgeizes. Wenn er zu Sünden anreizt, so verweist er auf Gottes Barmherzigkeit. Wenn er aber in Sünde gestürzt hat, spricht er nur von Gottes Strenge. Zuerst will er uns in Vermessenheit führen, dann in Verzweiflung stürzen. Beim Genuß der Speise und Trank verführt er uns zum Fressen und Saufen. Ins Herz legt er böse Gedanken, in den Mund falsche Reden. …. So ist in allem, was der Mensch tut, der Betrug des Satans zu befürchten.

Wenn du sähest, daß ein grimmiger Löwe dich anfiele, würdest du sehr erschrecken; doch wenn du hörst, daß der höllische Löwe dir nachstellt, so schläfst du und wiegst dich in Sicherheit?
Betrachte darum, liebe Seele dieses mächtigen Feindes List und suche die Hilfe der geistlichen Waffen. Laß deine Lenden umgürtet sein mit Wahrheit und angezogen mit dem Harnisch der Gerechtigkeit. Zieh an die vollkommene Gerechtigkeit Christi, so wirst du sicher sein vor der Anfechtung des Satans. … Denn wie der Satan kein Recht hat an Christus, so hat er kein Recht an den Gläubigen. Die Beine sollen gestiefelt sein mit dem Evangelium des Friedens.

Es wurden die Israeliten nicht von dem Todesengel geschlagen, deren Pfosten mit dem Blut des Lammes gezeichnet waren. So bleiben die von diesem Todesengel unverletzt, deren Herzen durch den Glauben mit dem Blut Christi besprengt sind. Der Glaube ruht auf den Verheißungen Gottes. Der Satan aber kann die Verheißungen Gottes nicht aufheben, darum kann er auch den Glauben nicht überwältigen.“ (Meditationes Sacrae 2,472ff.)
Es grüßt herzlich, euer Pastor, Helmut Paul