Aus des Pastors Feder – Den Geist der Furcht kennen wir

2. Tim 1, 7. Denn Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Lieber Gemeinde,

den Geist der Furcht kennen wir. Da haben wir es mit der Angst zu tun, wir verzagen aufgrund von Konflikten, Leid und Not.

Wir schweigen, anstatt zu reden. Einer wartet, dass wir ihn aufsuchen und freundlich mit ihm reden. Aber wir grauen uns davor. Da gilt es einfach mal anzurufen und Dankbarkeit und Wertschätzung zu äußern, doch der Zweifel packt uns. Da braucht jemand Worte des Lebens, das Wort Christi, doch wir schämen uns, es könnte ja sein, wir werden als „fromm“ bezeichnet. Einer braucht unser Vergebungswort, doch wir enthalten es diesem. Bei einem Abendbrot unter Freunde ganz klar durch unser Reden unser Vertrauen zu Christus zum Ausdruck zu bringen, auf Gottes Fürsorge aufmerksam zu machen, inmitten sorgenvolle Bemerkungen über die Situation im Land – doch wir schweigen, anstatt zu reden.

Oder wir reden, anstatt zu schweigen. Wir lassen uns mitreißen durch unnützes Lästern und Geschwätz, aus Angst die Stimmung zu verderben. Wir äußern verletzende Worte, weil wir dadurch besser dastehen, aus Furcht vielleicht schlecht wegzukommen. Aus Verzagtheit werfen wir Gott vor, nicht da gewesen zu sein, als wir ihn wirklich brauchten.

Da fliehen wir, statt zu bleiben. Wir sehen eine Person in Not und setzen jegliches ein, diese zu vermeiden. Es könnte ja sein, dass wir gesehen werden. Was werden andere denken, wenn ich mich mit dieser Person aufhalte. Wir sehen Not, doch wir fliehen, denn wir fürchten, etwas verlieren zu können.
Da bleiben wir, statt zu gehen.

Wir halten uns zu einer Gruppe, zu einem Gespräch, obwohl wir eigentlich uns von dieser trennen sollten, doch der Zweifel packt uns,wir wollen nicht auffallen.
Nicht von der Welt, aber in der Welt leben wir, und das macht uns oft zu schaffen. Die Furcht, die Angst, die Feigheit, die Verzagtheit packt uns. Wir werden mutlos.

Gut ist es, dass Paulus uns hier ein Wort des Lebens bringt. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Gott verleiht Kraft, die die Tat wagt und vollbringt. Gott schenkt Liebe, die die Gemeinschaft auch in der schweren Zeit bewahrt und bereit ist, jegliches Opfer zu bringen, die dabei in schwierigen Verhältnissen besonnen bleibt, nüchtern und verständig ist. Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Da denke ich an die Geschichte von Lazarus, der bereits vier Tage im Grab liegt (Joh 11): die verzagte und mit dem Geist der Furcht angehaftete Marta spricht: Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben. Das ist die Not, die sie in die Ecke zwingt. Doch auch diese Marta kann weiterreden: Aber auch jetzt weiß ich: Was du bittest von Gott, das wird dir Gott geben. Und Jesus tritt ein mit dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Er nimmt dem Tod die Macht.

Das geschah bei uns und soll auch in unserem Leben fernerhin gelten. Jesu Leben kam durch sein Wort in unser verzagtes Leben. Dazu hat Gott es Pfingsten in dieser Welt werden lassen, durch seinen Heiligen Geist im Wort und Sakrament bringt er uns das Evangelium von Christus.

„Geist der Weisheit, gib uns allen durch dein Licht Unterricht, wie wir Gott gefallen. Lehr uns, recht vor Gott zu treten, sei uns nah und sprich Ja, wenn wir gläubig beten. Hilf den Kampf des Glaubens kämpfen, gib uns Mut, Fleisch und Blut, Sünd und Welt zu dämpfen. Lass uns Trübsal, Kreuz und Leiden, Angst und Not, Schmerz und Tod nicht von Jesus scheiden! Hilf uns nach dem Besten streben, schenkt uns Kraft, tugendhaft und gerecht zu leben. Gib, dass wir nie stille stehen, treib uns an, froh die Bahn deines Worts zu gehen.“ (LG 224,6-8).

Damit in jeglicher Not, bei uns Reden inmitten des Schweigens entsteht oder Schweigen und ganz aufmerksames Hören. Damit wir bleiben, statt zu fliehen oder geradezu fliehen, anstatt zu bleiben. Damit wir Unrecht meiden, uns in der Kraft Christi in Taten helfender Liebe einsetzen – und bei allem ganz nüchtern und besonnen bleiben.

Himmlischer Vater, in unsere Welt herrschen Furcht und Zweifel. Wir fürchten uns vor Leid. Oft werden wir durch Angst gelähmt. Wir bitten dich, stärke uns durch den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit. Schenke uns Kraft in Schwachheit, Mut in Zeiten der Verzagtheit, Liebe, die gerne weitergibt, was du uns schenkst. Befreie uns von jeglicher Furcht der Welt und verleihe Ehrfurcht vor dir. Amen.

Euer Pastor Helmut Paul

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