Aus des Pastors Feder – Gott nahe zu sein, ist mein Glück.

Jahreslosung 2014 – Psalm 73,28 – „Gott nahe zu sein, ist mein Glück.“ (Einheitsübersetzung)

Der Wittenberger Kalender führt uns drei Bilder, die uns sonntäglich begeg-nen, vor Augen. In der Mitte das Kruzifix auf dem Altar: Gott, der sich uns nähert. Gott, der Mensch wird, sodass der Mensch Zugang zur Nähe Gottes haben kann. Gott, der in Jesus Christus sein Leben gibt, damit wir wahres ewiges Leben haben. Unter diesem Kruzifix ist die Bibel, Gottes Wort: Auch hier Gott, der sich uns nähert. Gott, der seine Liebe uns Menschen offenbart. Der es uns möglich macht, Gottes Nähe zu hören, zu lesen, zu vertiefen, ge-wiss zu werden. Dann an der linken Seite der Taufstein: Gott, der durch die Taufe uns in seine Nähe bringt und bei ihm ewiges Leben schenkt. An der rechten Seite – Kelch und Patene, Brot und Wein – und doch im Abendmahl, Christi Leib und Blut. Schaut man genau hin, dann wird man erkennen, im Wein wiederspiegelt sich das Fensterbild mit Jesus Christus, der die Hand segnend vor sich hält. Ja, im Wein, haben wir Jesus Christus! Gott, der in unsere Nähe kommt. Nicht allein ganz nah dran, sondern in uns! Zu essen!

Zu trinken! Da haben wir die Gewissheit der Nähe Gottes; da ist die Gemein-schaft mit Gott ganz konkret.
Ja, im Wort und Sakrament! Hier haben wir die Nähe Gottes. Gott steigt her-unter, er bringt sich in unsere Nähe, er schenkt uns Gemeinschaft. Und was das heißt, das bringt die Jahreslosung auf den Punkt: „Gott nahe zu sein mein Glück“ In Gottes Nähe besteht Glück. In Gottes Nähe findet der Mensch zu seinem Glück. Bei Gott hat der Mensch Freude – wie es die Über-setzung Luthers umschreibt: „Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.“ Bei Gott, in seiner Nähe, besteht Lebensglück und Lebensfreude.

Doch gehen wir einen Schritt zurück! „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“, das sind Schlussworte eines langen Psalms. Es ist fast so, als würde man bei einem Roman beim letzten Kapitel anfangen. In der Tat gibt es Leute, die lesen Romane so. Die fangen beim Schlusskapitel an. Dass soll dann Span-nung auslösen und zum Lesen anreizen. Nämlich, wie kommt es zu diesem Schluss? Wie sieht der Weg aus, der zu diesem Ziel geführt hat? „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“ Spannend! Wie kommt es zu diesem Schluss? Wie sieht der Weg eigentlich aus? Wie kommt einer eigentlich hier zu dieser Aus-sage? Aus welcher Lebenssituation stammt diese Jahreslosung?

Gleich zu Anfang lesen wir: Ein Psalm Asafs. Da hat er über mehrere Stro-phen geklagt, wie wenig Glück er anscheinend im Leben erfährt. Im Gegen-satz zu den anderen Menschen. Ja, er beobachtet andere und deren Glück. Das macht ihn wahnsinnig. Das macht ihn unglücklich. Alle um ihn herum sind glücklich – nur er nicht! So klagt er: „Ich ereiferte mich als ich sah, dass es den Gottlosen so gut ging. Denn für sie gibt es keine Qualen, gesund und feist ist ihr Leib. Sie sind nicht in Mühsal wie sonst die Leute und werden nicht wie andere Menschen geplagt“ (V. 3-5).
So geht es auch uns, dass wir uns mit anderen vergleichen – und allzusehr zu dem Ergebnis kommen: Der andere hat es gut, sehr gut! Der andere, der hat Glück! Der hat Freude! Dabei braucht es ja nicht allein der Gottlose zu sein. Da passiert es, das wir uns mit anderen Leuten vergleichen: Wie gut hat die-ser oder jene es nicht! Wie schön wäre es nicht, in seinen oder in ihren Schuhen zu stecken. Da vergleichen wir uns mit einem Gemeindeglied: Sein Leben, seine Ehe, seine Familie, seine Kinder, seine Enkelkinder, sein Auto, sein Haus, seine Arbeit, sein Urlaub. Wie Glücklich scheinen diese nicht zu sein! Lebensfreude strahlt stets von ihren Gesichtern! Welch ein Glück! Aber ich?

So geht es dem Beter dieses Psalms. Er vergleicht sein Leben mit anderen

Menschen. Er nimmt – im Bild gesprochen – ein Vergrößerungsglas in die Hand und vergleicht sein Leben mit dem Leben der Anderen. Und was pas-siert? Das Leben der anderen sieht er durch dieses Glas ganz groß. Er sieht all das Schöne ganz deutlich. Und dann schaut er auf sein eigenes Leben – und es kommt ihm armselig vor. Alles eintönig und grau. Er selbst müht sich ab, setzt sich ein, richtet sich nach Gottes Willen – doch den anderen, den geht es stets besser. Aber was bringt ihn da raus? Wie kommt es zu diesem Schluss, welches wir als Jahreslosung immer wieder vor Augen haben werden? Wie kommt man aus diesem Grübeln raus? Aus diesem Unglück? Aus diesem: Allein den anderen, den geht es gut?

Im Psalm stellt dieser Mann fest: „So sann ich nach, ob ich´s begreifen könn-te, aber es war mir alles zu schwer, bis ich ging in das Heiligtum Gottes“ (V. 16-17). Bis ich ging in das Heiligtum Gottes! – da geht ihm ein Licht auf! Im Heiligtum Gottes: Er stellt sich in ein ganz anderes Licht. In Gottes Licht. Und da – vor Gott – da sieht er nicht mehr das Leben wie durch ein Vergrö-ßerungsglas – im Vergleich –, sondern hier spürt er: von Gott – da werde ich doch ganz anders angeschaut. Nicht in der Nähe – oder im Vergleich – mit anderen, sondern in der Nähe Gottes, in seinem Heiligtum. Er kommt raus aus seiner gedanklichen Enge und gewinnt Abstand, zu sich, zum Leben, zu der Suche nach Glück, weg vom Vergleich mit anderen Menschen und hin in die Nähe Gottes.

Eine Lebensgeschichte erreicht ihr Klimax. Der Höhepunkt eines Romans bricht hervor. Hier findet einer Glück im Heiligtum Gottes. Da stellt er fest: Alles andere ist kurzes Glück, sind Glücksmomente. So schnell kann eine Krise entstehen und wenn das Glück bei einer Arbeit, bei einem tollen Haus, bei einem fernen Urlaubsziel gesucht wird, dann kann dieses Glück doch schnell verschwinden. Heißt es nicht: „Glück und Glas – wie schnell bricht das!“
Der Beter dieses Psalms stellt fest: echtes Glück, unabhängig von meinen Gefühlen, von meinen Lebensumständen, von meinen Erfolgen, unabhängig von meinem Reichtum und Besitz, vom Urlaub oder ferne Reiseziele – das finde ich hier – im Heiligtum Gottes. Er sagt:

„Ich bleibe stets an dir, denn du hältst mich bei deiner rechten Hand.“

Das ist Glück, das zu erspüren und zu erleben. Gott hält dich an deiner rech-ten Hand. Das ist ein Glück – das durch die dunkeln Zeiten durch trägt. Also ein Glück, dass auch in Lebenstälern da ist – nicht nur in den Höhepunkten des Lebens. Auch wenn wir das nicht immer spüren – oder erst im Rückblick so sagen können: „Gott – der ist dir nah. Hält dich an der Hand. In welcher Krise du auch gerade stecken magst. Er – ja gewiss, er lässt dich nicht los!“ – das ist Glück.
Also im Heiligtum Gottes, in Gottes Nähe finden wir unser wahres Glück. Wo Gott sich uns nähert – im Wort und Sakrament – da haben wir alles, was Lebensentscheidend und Lebensnotwendig ist, was Glück und Freude berei-tet. Ja! Das ist meine Freude, das ist mein Glück – dass ich mich zu Gott hal-te – Gott nahe zu sein!

Mögest du dieses Jahr dein Glück allein von Gott abhängig machen und nicht von Anderen. Glück bei ihm suchen: wo er sich uns nähert, wo er in unsere Nähe kommt – im Wort und im Sakrament. Mögest du dann in und aus dieser Nähe wahres Glück finden. Nicht Glück, dass allein den anderen gilt. Nicht Glück, das kurz mit den Händen greifbar ist, aber dann durch die Hände wie Sand sickert. Nein, Glück auf Dauer. Ewiges Glück. Glück das hält und trägt. Wahre Freude, die bleibt.

Mögest du in diesem Jahr nicht andere Menschen mit einem Vergrößerungs-glas aufsuchen, sondern Gottes Wort, damit du darin Gottes übergroße Liebe zu dir erkennen magst. Mögest du in diesem Jahr gegen allen Zweifel und alle bohrenden Fragen mit diesem Vergrößerungsglas den Taufstein aufsu-chen, wo dir Gottes Gnade angeeignet wurde, ganz konkret, ganz gewiss! Mögest du in diesem Jahr das Vergrößerungsglas auf das Abendmahl richten und dort Gottes Reichtum der Barmherzigkeit finden. Sodass auch du freude-voll ausrufen und bekennen kannst: „Gott nahe zu sein ist mein Glück!“.

Gruß
Helmut Paul

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